J
William Stanley Jevons 1835 - 1882
Jevons gehört, neben Carl Menger und Léon Walras, zu den Entdeckern der Grenznutzen-Analyse, mit der eine neue Epoche der ökonomischen Theorie begann. Sein zeitgleich mit Mengers »Grundsätze der Volkswirthschaftslehre« erschienenes, aber unabhängig von diesem entwickeltes, ökonomisches Hauptwerk »The Theory of Political Economy« (1871) machte ihn berühmt - erst 1878 erfuhr er von H. H. Gossens »Entwickelung der Gesetze«, den er, neben anderen, als Vorläufer anerkannte. Auf der Grundlage von Jeremy Benthams Theorie der Lust- und Unlustgefühle entwickelte Jevons mit Hilfe der mathematischen Methode eine vom Nutzen abgeleitete Wertlehre, die er in seinem Hauptwerk zu einem geschlossenen System der Volkswirtschaftslehre ausgestaltete. Jevons war sich des revolutionären Charakters seiner damit verbundenen Kritik an Mill und an Ricardos Arbeitswerttheorie wohl bewußt, doch trug gerade dies dazu bei, daß seine Originalität und eigentliche Bedeutung in England erst viel später anerkannt wurde.
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Johann Heinrich Gottlob von Justi 1717 - 1771
Justi ragt unter den Vertretern der in Deutschland entstandenen besonderen Form des Merkantilismus, der Kameral- und Policey-Wissenschaft (später Staatswissenschaft), als der große Systematiker heraus. Seine »Grundsätze der Policey Wissenschaft« wurden für die Lehre an den Universitäten und die Ausbildung der Beamtenschaft wegweisend. Justi führte den Reichtum eines Landes auf den Außenhandel, das Bevölkerungswachstum und den Bergbau zurück. Durch Import billiger Rohstoffe und Export hochwertiger Fertigprodukte sollte ein Handelsüberschuß in Form von Edelmetallen entstehen. Als oberstes Gebot und Aufgabe des Staates sah von Justi die Erreichung und Erhaltung einer allgemeinen Glückseligkeit der Menschen, doch betonte er stets auch den Vorrang des Staates vor Wirtschaft und Gesellschaft.
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K
Ibn Khaldun 1332 - 1406
Abd al-Rahman Ibn Mohammad Ibn Khaldun machte eine steile wie rastlose Karriere in hohen politischen Ämtern, in der Verwaltung, als Diplomat und als Richter im Maghreb, in Spanien und in Ägypten. Seine mehrbändige Universal-Geschichte (»Kitab al-`Ibar«, »Das Buch der Beispiele«) gilt als ein klassisches Werk der arabisch-islamischen Literatur und ihr Autor aus heutiger Sicht als der erste Sozialwissenschaftler, der die Bedeutung der Gesellschaft und ihrer ökonomischen Verhaltensweisen für die kulturelle Entwicklung der Zivilisation hervorgehoben hat. Ibn Khalduns Darstellung fußt auf empirischen Beobachtungen, er versucht – außerordentlich für seine Zeit –, den Gang der Geschichte aus den Regeln und Ordnungen, die sich aus der Struktur der Gesellschaft ergeben, zu erklären. Die menschliche Kultur, ihre politischen und sozialen Ausdrucksformen setzt er zur Wirtschaft in Beziehung. Erstmals werden hier gesellschaftliche Regelmäßigkeiten und Ordnungen formuliert, zyklische Entwicklungen, die, den Naturgesetzen vergleichbar, die historischen Abläufe bestimmen.
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John Maynard Keynes 1883 - 1946
Er wird von vielen als der bedeutendste Ökonom des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Seit 1909 Mitglied des Lehrkörpers in Cambridge, war er 1919 Delegationsführer des britischen Schatzamtes bei der Friedenskonferenz in Paris, wo er sich mit seinen Vorstellungen, Deutschland geringere Reparationszahlungen aufzuerlegen nicht durchsetzen konnte und daher von seinem Amt zurücktrat. 1920 in Cambridge zum Professor berufen, konzentrierte er sich neben seiner politischen Tätigkeit für die Liberale Partei, deren Programm er stark beeinflusste, vor allem auf Fragen der Geldtheorie und das zunehmende Problem der Arbeitslosigkeit. In seinem 1936 erschienen Hauptwerk »The General Theory of Employment, Interest and Money« gab er der Wirtschaftspolitik Instrumente an die Hand, die Krise der großen Depression zu überwinden. Er empfahl die stagnierende Wirtschaft durch Niedrigzinspolitik und staatliche Investitionen zu fördern. Die dadurch ausgelösten Nachfrageschübe würden Kettenreaktionen bewirken und so auch die Arbeitslosigkeit überwinden. Der Staatshaushalt sollte das wichtigste Instrument der Wirtschaftspolitik sein. Die Theorien der klassischen Schule lehnte er als unzulänglich ab. Keynes spaltete damit die Volkswirtschaftslehrer der Welt in zwei Lager.
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Carl Knies 1821 - 1898
Seine Hauptleistung liegt auf dem Gebiet des Geld- und Kreditwesens, auf dem er seine Spuren als Theoretiker zurückließ. Geboren in Marburg, wurde er 1855 in Freiburg zum Professor der Kameralwissenschaften ernannt. Zehn Jahre später wechselte er nach Heidelberg, wo er bis 1896 lehrte und forschte. Neben dem für die Historische Schule programmatischen Buch »Die politische Oekonomie vom Standpunkte der geschichtlichen Methode« (1853) gilt vor allem das dreibändige Werk »Geld und Credit« (1873 - 1879) als das Opus magnum von Carl Knies. Hier untersuchte er das Wesen und die Funktionen der Geldes und welche Geld- oder Währungsordnungen anzustreben sind.
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Huan Kuan um 90 – ca. 40 v.Chr.
Über sein Leben ist nur wenig bekannt. Er stammte aus dem Süden der heutigen chinesischen Provinz Henan, galt als Kenner der Schriften des Konfuzius und bekleidete verschiedene niedrige Ämter. In der ökonomischen Wissenschaft wirkt sein Name nach, da ihm die Autorenschaft der Schrift »Yantie Lun« zugeschrieben wird. Diese gibt die berühmte um das Jahr 81 v. Chr. zwischen Reformern und konservativen Vertretern des kaiserlichen Hofes ausgetragene »Debatte über Salz und Eisen« wieder und dokumentiert ein frühes Zeugnis wirtschaftspolitischer Auseinandersetzungen.
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L
Carl Friedrich Wilhelm Launhardt 1832 - 1918
Launhardt 1871 zum Professor ernannt, von 1880 bis 1886 erster Rektor der Technischen Hochschule Hannover, wo er bis zu seinem Tode lehrte, war ein Pionier der mathematischen Ökonomie, ein wichtiger Wegbereiter der Wohlfahrtstheorie und eine Hauptfigur in der Geschichte der Standorttheorie. Sein nationalökonomisches Hauptwerk, die 1885 publizierte »Mathematische Begründung« fand unter seinen Zeitgenossen praktisch keinen Widerhall. Erst in den letzten 30 Jahren wurde dieser »wichtigste deutsche Beitrag zur marginalistischen Wirtschaftstheorie aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts« (Jürg Niehans) als solcher anerkannt.
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Leonardus Lessius 1554 - 1623
Leonardus Lessius, ursprünglich Lenaert Leys, wurde in Brecht, in der Nähe von Antwerpen, geboren. »Fürst der Philosophen« und »Orakel der Niederlande« waren zwei der Ehrenbezeichnungen, die dem Autor zahlreicher moraltheologischer und aszetischer Schriften verliehen wurden. Im Alter von sechsundvierzig Jahren zog sich Lessius, gesundheitlich angegriffen, aus dem Lehrberuf zurück und widmete sich während der ihm noch verbleibenden Lebensjahre seinen Forschungen. Aus gründlicher Kenntnis der Marktphänomene formte er eigenständige Beiträge zur Wirtschaftsanalyse, die eine Herausforderung der traditionellen Wirtschaftslehre darstellten.
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Friedrich List 1789 - 1846
Der Professor in Tübingen, Mitbegründer des »Deutschen Handels- und Gewerbevereins« geriet wegen seines Eintretens für die zollpolitische Einigung Deutschlands in Opposition zur württembergischen Regierung, verlor seine Professur und floh, zu Festungshaft verurteilt, in die USA. 1830 kehrte er im konsularischem Dienst der USA nach Europa zurück und wurde zum Vorkämpfer des Eisenbahnbaus in Deutschland und zum Propagandisten des Deutschen Zollvereins. Ursprünglich Anhänger der Lehre vom Freihandel, vertrat List die Notwendigkeit von Erziehungszöllen zur Herstellung gleicher internationaler Wettbewerbslage. In die Volkswirtschaftslehre brachte er den Begriff der »produktiven Kräfte« ein. Beiträge, die einer Gesellschaft aus geistigen Leistungen – wie Erziehung, Bildung, Kunst und Wissenschaft – zufließen erhielten durch ihn erstmals einen Wertmaßstab.
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John Locke 1632 - 1704
schuf mit seinen philosophischen Schriften die grundlegenden Voraussetzungen und Denkmodelle für Empirismus und Aufklärung. Der Einfluss seines Denkens auf die amerikanische Revolution und die Verfassung der Vereinigten Staaten ist erheblich. Als ökonomischer Denker ist John Locke zunächst im Merkantilismus verhaftet, doch zeichnen sich seine Schriften durch scharfe Beobachtung und präzise Analyse wirtschaftlicher Zusammenhänge, durch theoretische Fundierung und das Bemühen um Objektivität aus. Seine »Some Considerations« gelten heute als eine der ersten präzisen Erklärungen der Quantitätstheorie des Geldwertes. Eingebettet in diese allgemeine Werttheorie entwickelte Locke seine speziellen Überlegungen zum Zinssatz: Er lehnte prinzipiell jegliche gesetzliche Regulierung ab, vielmehr solle der Markt den Zins bestimmen. Mit seinen ökonomischen Schriften hatte John Locke wesentlichen Einfluß auf die englische Klassik, von Adam Smith bis David Ricardo, ausgeübt; Karl Marx bezeichnete Ihn als einen der »ersten wissenschaftlichen Verfechter des Geldsystems« und als einen der»Doyens der modernen Nationalökonomie«.
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August Lösch 1906 - 1945
Durch den Entschluß, trotz seiner offener Ablehnung der Nationalsozialisten in Deutschland zu bleiben, nahm August Lösch äußerst schwierige Zeiten auf sich. Unter schwerer materieller Not arbeitet er an dem Manuskript für sein Hauptwerk »Die räumliche Ordnung der Wirtschaft«, das er 1939 abschließen kann. 1940 erhält er am Institut für Weltwirtschaft der Universität Kiel endlich eine Anstellung, die wenigstens seinen Lebensunterhalt sichert. Bereits nach einem Jahr wird er zum Leiter einer Forschungsgruppe ernannt, eine ihm angebotene Dozentur lehnt er aufgrund der politischen Bedingungen ab. August Lösch stirbt im Mai 1945.
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Martin Luther 1483 - 1546
Der deutsche Reformator hat sich in vier berühmten Schriften und Predigten auch mit ökonomischen Fragen auseinandergesetzt. In seiner Schrift »Von Kauffshandlung und Wucher « erklärte und beurteilte Luther ein zentrales Phänomen der Ökonomie: Den Wert und den Preis beim Tausch von Gütern, Geld und Diensten. Der Staats- und Wirtschaftswissenschaftler Gustav Schmoller merkte dazu an: »Das Interessanteste, was in nationalökonomischer Beziehung aus der Reformationsperiode erhalten ist. «
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